Von Puerto Iguazú ans Ende der Welt nach Ushuaia

Als wir die Grenze vom brasilianischen Foz do Iguaçu nach Puerto Iguazú und damit nach Argentinien überqueren, sind wir voller Vorfreude auf ein baldiges Wiedersehen der atemberaubenden Cataratas! Die Kleinstadt Puerto Iguazú ist ein grauer und staubiger Ort. Umso erfreuter sind wir, als wir auf dem Camping Agreste Costa Ramón vom netten Ehepaar Adriana und Carlos herzlichst auf ihrem wunderschön grünen Platz im Urwald empfangen werden. Unsere Haustiere wechseln mit den Stellplätzen. Hier sind es ein Hund, ein Papagei und ein paar Hühner. Anderntags feiern wir meinen Geburtstag. Statt der geplanten Besichtigung der Wasserfälle, fällt das Wasser in Unmengen vom Himmel. Doch wir lassen uns die gute Laune nicht verderben. Schliesslich sind wir in Argentinien, wo es feine Apéros, vollmundigen Rotwein und herrliche Rindersteaks gibt 🙂

Und dann ist es soweit: die Regenwolken ziehen vorüber und wir machen uns frühmorgens auf. Die argentinische Seite ist weitläufiger und so besuchen wir den Nationalpark während zweier Tage. Von hier aus kommt man näher an die Fälle heran. Es gibt verschiedene Wanderpfade und einen kleinen Zug, der uns nochmals zum Teufelsschlund, dem Garante del Diablo, führt. Von drei Seiten stürzt das eben noch ruhig strömende Wasser in einen tobenden Kessel. Schwer beeindruckt, durchnässt und zufrieden verlassen wir diesen magischen Ort.

Unsere Reise durch Argentinien beginnt in der Provinz Misiones. Wie ein gekrümmter Finger schiebt sich diese subtropische Region im Nordosten nach Brasilien hinein. Der Name der Region bezieht sich auf jene Missionen, welche die Jesuiten Anfangs des 17. Jahrhunderts aufbauten. Die Region war einst ein unberührter Urwald. Heute ist vom Wald nicht mehr viel zu sehen. Gut zwei Drittel der Fläche wurde unter anderem zugunsten von Anbauflächen für Yerba Mate und für die Rinderzucht gerodet. Dennoch: Misiones beeindruckt noch heute mit seiner grünen Natur und der roten Erde. Wir verbringen eine Nacht auf dem Camping Municipal vor Jardín America, von wo wir anderntags die Ruinen einer Jesuiten-Reduktionen in San Ignacio Mini besuchen. Diese Siedlung gehört zu den besterhaltenen und zum Weltkulturerbe der UNESCO. In ihrer Blütezeit im 18. Jahrhundert zählten die Jesuiten-Kommunen gut 150‘000 Guaraní-Indianer. Wir bestaunen die steinernen Überreste von Kirchen, Wohnhäusern und Schulen.

Weiter südlich kommen wir auf die Schnellstrasse Ruta 14. Wir sind aber alles andere als schnell unterwegs. Im rund Halbstunden-Takt hält uns eine Polizei- oder Fruchtkontrolle an. Mal dauert es kürzer, mal länger. Häufig wollen sie wissen, von wo wir kommen und wohin wir fahren. Meistens wollen sie unsere Dokumente oder ins Fahrzeug sehen und am längsten dauert es, wenn sie Geld wollen. Wir wussten, dass die Ruta 14 für Korruption bekannt ist, speziell wenn man mit einem ausländischen Kfz-Kennzeichen daher kommt. Wir sind also schon etwas vorbereitet und mit den verschiedensten Strategien der Beamten lernen auch wir neue und andere. Bald machen wir uns fast einen Spass daraus, was wir oder sie als nächstes ausprobieren werden. Irgendwann haben wir dann aber doch die Nase voll und beschliessen, die Ruta 14 ein Stück zu umfahren.

Als wir abends im kleinen Ort Yapeyú ankommen, verfliegt unser Ärger rasch. Kaum parkieren wir Rudolph am Ufer des Rio‘s Uruguay, kommen zwei Jungs, die hier mit ihrer Familie am Fischen sind, heran gerannt. Sie sind neugierig und bringen uns daher mehrmals Holz und Zeitungen. Ach wie süss! Nachdem die Kinder sich trauten, ins Fahrzeug zu schauen, kommt auch der Rest der Familie neugierig herbei. Nett teilt man uns mit, dass hier ein sicherer Ort zum Übernachten sei. Noch besser wäre es auf dem Dorfplatz nebst der Polizei. Wir lassen den Tag schliesslich mit einem Lagerfeuer am Fluss ausklingen.

03 Yapeyú

Wenn nicht über die Ruta 14, wohin dann? Wir haben noch ein paar Reals und so geht es für einen Einkauf nach Brasilien. Noch gleichentags überqueren wir die Grenze zurück nach Uruguay, diesmal ins Hinterland.

Nebst Kartenmaterial ist uns das App Maps.me eine grosse Hilfe: Kostenloses GPS mit Suchfunktion nach Tankstellen, Campingplätzen, Supermärkten und Bankomaten. Der nächstgelegene Camping an diesem Tag ist bei den Termas del Arapey. Es ist ein wunderschöner Platz und so verweilen wir zwei Tage. Der Platz ist gut besucht. Das Wetter und auch die Thermen sind sommerlich heiss. Bunte Vögel zwitschern in den Palmbäumen.

Entspannt geht es retour auf die Ruta 14. Bei Salto überqueren wir die Grenze zurück nach Argentinien. Prompt vergeht keine Viertelstunde, als wir wieder heraus gewinkt werden. Wir könnten auch mit Euros oder Dollars bezahlen, sagt uns der Beamte, als er gut 1’300 Pesos (umgerechnet knapp 90 Franken!) wegen der anscheinend nicht-konformen Anhängekupplung verlangt. Als wir dem netten Herrn mehrmals höfflich mitteilen, dass wir kein Geld hätten und auch nicht gewillt seien irgendetwas zu bezahlen, droht er uns, wir könnten das Land nicht verlassen. Er wedelt mit unseren laminierten Dokuments-Kopien und setzt sich an den Computer, um irgendetwas einzutragen. Wir setzen uns mit einer Flasche Mineralwasser an den Strassenrand und warten. Die Geduld geht ihm vor unserer aus und so können wir weiterfahren.

Die nächsten Tage wird es ruhiger. Wir umfahren Buenos Aires und kommen auf die Ruta 3, welche uns ohne Ärger bis nach Ushuaia bringen soll. Täglich fahren wir 200 bis 300 Kilometer und abends stehen wir Frei oder auf günstigen Municipal-Campings.

Die Provinz Buenos Aires ist das wirtschaftliche Kernland und die dichtest besiedelte Region Argentiniens. Unser Weg führt uns auf Strassen, die geradlinig am Horizont enden und entlang gigantischer Felder, auf denen die weidenden Rinder in der Ferne wie Stecknadeln aussehen. Bei Mar del Plata, dem grössten Badeort, erreichen wir die Atlantik-Küste. Der Ort ist uns mit seinen überfüllten Stränden und hochragenden Hotelanlagen zu touristisch und so fahren wir etwas südlicher nach Miramar, wo wir nochmals im Atlantik baden. Es wird für eine Weile das letzte Mal sein.

Der Küste entlang fahren wir weiter in Richtung Süden. Wir kommen in das hübsche Küstenstädtchen Monte Hermoso und finden mit etwas Glück gleich nach dem Leuchtturm einen traumhaften Stellplatz. Das Meer, ein paar einheimische Fischer und viel Ruhe. Anderntags gesellt sich Sandra und Orlando, die ein paar Kilometer weiter weg wohnen, mit ihrem Wohnwagen zu uns. Rasch kommt man ins Gespräch. Sie verbringen die Wochenenden oft auf diesem Platz. Es geht nicht lange und wir werden zum Nachtessen eingeladen. Kurzerhand nimmt mich Sandra mit zum Supermarkt, um noch mehr Fleisch einzukaufen. Die Männer bereiten derweil die Glut für den Grill vor. Wir dürfen einen typisch argentinischen, gemütlichen Abend mit leckerem Asado und viel Vino tinto geniessen. Bis spät in die Nacht wird angeregt geplaudert. Ob wir noch mit ihnen zurück nach Bahia Blanca kommen möchten, fragt mich Sandra am anderen Morgen. Die Temperaturen sind schon etwas frischer, der Herbst naht. Wir wollen fahren, um noch ganz in den Süden zu gelangen. Der Abschied fällt uns aber nicht leicht.

Wir kommen nach Patagonien und tauchen damit in eine völlig andere Welt ein. Vom reichen Rinderland gelangen wir in eine trockene Landschaft. Die Büsche werden niedriger und bald ist fast nur noch Steppengras zu sehen. Patagonien ist die südlichste Region Argentiniens und Chiles. In Argentinien umfasst die Region die vier Provinzen Rio Negro, Chubut, Santa Cruz und Tierra del Fuego. Die unendlichen Weiten werden menschenleerer. Hier leben auf der Fläche, die doppelt so gross wie Deutschland ist, gerade mal rund zwei Millionen Menschen. „Patagonien – ein düsteres und wildes Land. Der ewige eiskalte Wind wütet durch die Ebene“ lese ich im Reiseführer. Entsprechend stellen wir uns auf kalte Tage ein und wissen nicht, ob wir uns wirklich noch bis nach Ushuaia wagen sollen. Doch es kommt alles anders.

Nirgendwo ist auch ein Ort. Der Satz von Paul Theroux beschreibt die unendlichen Weiten der patagonischen Halbwüstenlandschaft zutreffend. Die weiten Ebenen sind dabei nur ein Teil Patagoniens. Die Andenketten im Westen mit ihren Gletschern und Seen gehören ebenso wie die Atlantikküste im Osten dazu. Ob es am Klimawandel oder dem diesmal ausgeprägten Wetterphänomen El Niño liegt, darüber rätseln auch die Einheimischen. Gleichzeitig mit dem Präsidentenwechsel im letzten Dezember und dem sinkenden Wert des Pesos, scheint auch das Wetter verrückt zu spielen. Die Sonne scheint Tag für Tag, der Himmel ist, mal von ein paar Schleierwolken durchzogen, blau und es bläst ein mässiger Wind. Wir bleiben also weiterhin Flipflop-Träger. Die raue Landschaft Patagoniens mag uns auch ein weiteres Mal überraschen. Eingestellt auf unendliche Fahr-Distanzen im Nirgendwo sehen wir an diesem Ort der Welt so viele Tiere wie noch nie. Vielleicht lässt sich die Tierwelt in der kargen und dürren Steppenlandschaft auch einfach besser erkennen. Nebst den leeren und verlassenen Stränden und Klippen ist es das unglaubliche und vielfältige Tierreich an bunten und grossen Vögeln, unzähligen wilden Guanakos, Nandus, Füchsen, Pinguinen, Seelöwen und -elefanten, das uns schwer beeindruckt. Für uns steht fest: Nirgendwo ist manch ein schöner Ort! Einzig für die Zeit der Wal-Beobachtung sind wir leider zu spät dran und so beschliessen wir, die Halbinsel Península Valdés nicht zu befahren.

Wir kommen in die Stadt Trelew. Hier zogen ab 1865 Tausende Waliser her, um Armut und politischer Unterdrückung zu entkommen und hier in der Wüste ein „Little Wales“ zu errichten. Wir fahren in den Nebenort Gaiman. Gaiman ist ein herausgeputztes Dorf und präsentiert walisische Gemütlichkeit, wie sie die ersten Siedler gerne gehabt hätten. Touristen kommen hierher, um Tee zu trinken und Kuchen zu essen. Wir sind hier, um Rudolph vom gröbsten Sand zu befreien, etwas Wäsche zu waschen und den Wassertank zu befüllen. Der Campingplatz nebst der Feuerwehr, den Bomberos, ist dafür der ideale Ort.

Wir werfen einen Blick in die Urzeit. Das Museo Paelontológico Eugidio Feruglio (MEF) soll weltweit eines der besten paläontologischen Museen sein. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen und werden von diesem modernen und eindrucksvollen Museum in Trelew nicht enttäuscht. Patagonien gilt als das El-Dorado der Fossiliensammler. Vor rund 10 Millionen Jahren lebten hier unzählige Dinosaurier und noch heute werden mehrmals jährlich Knochen prähistorischer Tiere gefunden.

Weitere 120 Kilometer südlicher befindet sich der Nationalpark Punto Tombo. Das Naturreservat beherbergt die grösste Kolonie an Magellan-Pinguinen auf argentinischem Festland. Wir beobachten die putzigen Tiere, die sich weit über die Pfade hinaus tummeln, bis zur Parkschliessung.

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Wir kommen nach Comodoro Rivadavia in die mit über 140‘000 Einwohnern grösste Hafenstadt im südlichen Patagonien. Der fabrikhofartige Ort ist wenig attraktiv. 1907 wurde hier statt Wasser Erdöl gefunden und so wurde aus dem armen Wüstendorf eine reiche Kleinstadt.

Ein paar Kilometer weiter gelangen wir an den Strand Playa Espepa de la Cuenca del Golfo San Jorge. Hier wollen wir die Siesta mit Kaffee-Trinken und einem Strandspaziergang verbringen, entschliessen uns aber bald darauf, über Nacht zu bleiben. Wir kommen mit einem jungen Paar ins Gespräch. Sie erzählen uns, dass sie beide in nördlichen Provinzen geboren sind. Um Arbeit zu suchen oder besser zu finden, hat es sie hierher in die Wüste nach Comodoro Rivadavia verschlagen. Hier hätten sie ihren Frieden gefunden, aber manch einen kennen gelernt, der es in der Einöde und im Winde nicht ausgehalten habe. Der Wind fege hier oft mit über 100-Stundenkilometer übers Land. Heute weht ein mässiger, von einer Sekunde zur nächsten wechselnder Wind. Mal ist es ein kalter Meereswind, mal ein warmer, staubig trockener Nordwind. Gegen die trockene Kehle und Kälte gibt es nebst Wasser einen erfrischenden Caipirinha, Rest-Posten aus Brasilien.

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Wir verlassen die Ruta 3 erneut. 50 Kilometer Schotterpiste westwärts liegt der Parque Nacional Bosques Petrificados de Jaramillo. Rund 20 Kilometer vor dem Parkeingang kommen wir zum einsamen Campingplatz Estancia La Paloma. Hier geniessen wir abends ein Stück argentinisches Grillfleisch. Zum Osterbrunch gibt es Zopf-Häschen und zwei gekochte Eier, bevor wir weiter in die skurrile Landschaft eintauchen. Das Herzstück des Nationalparks sind seine versteinerten Bäume. Hier standen im einst feuchten Klima dichte Wälder, bevor vor 150 Millionen Jahren Vulkanausbrüche mit ihren Lavaströmen und Ascheregen die Baumriesen versteinern liessen. An den Schnittkanten sind die Jahresringe noch gut zu erkennen. Die Dinosaurier lebten hier vor 10 Millionen Jahren und diese Bäume sind 150(!) Millionen Jahre alt und können noch heute bewundert werden. Könnt ihr euch das vorstellen? Unsere Vorstellungskraft kommt hier an Grenzen.

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Die patagonische Ebene wird zunehmend einsamer. Die Schafherden nehmen dafür zu. Etwas verträumt wären wir fast daran vorbeigefahren. Zwischen Puerto San Julián und Rio Gallegos liegt der Nationalpark Monte Léon. Nach 10 Kilometer machen wir Kehrt, zum Glück! Dieser wunderschöne Park ist wenig bekannt, da er unter der Konkurrenz von nördlich und südlich liegenden Pinguin- und Seelöwen-Kolonien leidet. Der Park sowie der darin befindliche Campingplatz hat aber viel zu bieten und ist, wie bereits der Nationalpark der versteinerten Wälder, kostenlos. Wir verstehen nicht alles, was uns der nette Rancher über den Park erzählt. Das Wort „peligroso“ ist uns aber mittlerweile ein Begriff. Was denn gefährlich sei, fragen wir nach. Wegen der Pumas sollten wir nach Sonnenuntergang nicht alleine und ohne Licht draussen sein, bekommen wir nochmals erklärt. Auf dem Campingplatz angekommen, sind es dann „nur“ drei Füchse, die neugierig um uns herum schleichen. Am Strand bekommen wir unverhofft zwei verliebte Fels-Pinguine zu sehen. Als wir am anderen Morgen in der Weite tatsächlich zwei Pumas sichten (auf dem Foto unten in der Ferne erkennbar), machen wir uns mit etwas mulmigem Gefühl auf den zwei Kilometer Fussmarsch zur Kolonie der hier lebenden Magellan-Pinguine.

Wir gelangen in die südlichste Provinz nach Tierra del Fuego. Von Punto Delgada geht’s mit der Fähre nach Puerto Espora. Hier weht ein kühlerer Wind. Die Zeit ist gekommen, um Flipflops und kurze Hosten gegen Wanderschuhe und Winterjacke einzutauschen.

Feuerland besteht aus einer Hauptinsel und vielen vorgelagerten Inselchen. Hier befindet sich der südlichste Punkt der Erde, der nicht vom ewigen Eis überlagert ist. Die Hauptinsel ist in einen etwas grösseren chilenischen Westen und einen argentinischen Osten zweigeteilt. Um nach Ushuaia zu kommen, passiert man Chile, um wieder nach Argentinien zu gelangen. Ein Grenzübertritt nach Chile ist mit einer speziellen Lebensmittelkontrolle verbunden. Früchte, Gemüse, Fleisch und Michprodukte kommen nicht über die Grenze. Zwar wissend, aber nicht überlegend, haben wir einige Tage zuvor unser Vorräte aufgestockt. Vor der Grenze gilt es also, diese gut im Fahrzeug zu verstauen.

Der Name Tierra del Fuego stammt von Magellan, der 1520 bei seiner Durchsegelung im Dunkeln am Meeresufer geheimnisvolle Feuer sah. Tierra del Fuego blieb noch jahrhundertelang wegen seiner Stürme gefürchtet und für die Besiedelung uninteressant. Erst 1860 begann hier die Kolonisation durch die Europäer. Von den im 17. Jahrhundert rund 10‘000 Ureinwohnern wurden 1910 nur noch rund 350 gezählt. In 50 Jahren wurden die hier seit 30 Jahrtausenden lebenden Völker der Selk’nam, Yámana, Kawéskar und Manekeuk ausgerottet. Ende der 90er Jahre starb die letzte Nachfahrerin der Selk’nam und damit ein ganzes Volk, eine Sprache und Tradition.

Kurz vor unserem Übernachtungsplatz, einem Free Bush-Camping, kommen wir durch märchenhafte Wälder, die in der baldigen Dunkelheit verwunschen und gleichzeitig schauderhaft wirken. In den dürren und knorrigen Ästen hängt „Barba de Viejo“ (Altmännerbart), wie riesige Spinnenweben wirkende lindgrüne Flechten. Wir stehen alleine auf der Wiese nebst dem Fluss. Es ist eine klare Nacht. Ich habe noch nie im Leben so viele Sterne am Himmel funkeln sehen. Wie es wohl später in der chilenischen Atacama Wüste sein wird, fragen wir uns.

Die letzten Kilometer bis nach Ushuaia wird die Landschaft spektakulärer. Das erste Mal in Südamerika fahren wir über kurvige Bergstrassen.

Dann ist es nach rund 5000 Kilometer seit Iguazú geschafft: wir kommen nach Ushuaia und damit in die südlichste Stadt der Welt. Bucht, die nach Osten sieht, lautet die Übersetzung des Indianerwortes Ushuaia. Vor der Stadt mit ihren im skandinavischen Stil gebauten Holz- und Wellblechhäuschen liegt das eiskalt blaue Meer, genauer der Beagle-Kanal. Dahinter steigen die zwar nur rund 1500 Meter hohen, aber auch im Sommer schneebedeckten Berggipfel empor. Ushuaia entwickelte sich von einer Strafkolonie und Stützpunkt für Walfänger zu einem Touristenort. Das Gefängnis Presidio wurde 1947 geschlossen und ist nun ein Museum und militärisches Gelände. Heute treffen hier Backpacker auf Camper, Antarktis-Forscher auf Kreuzfahrt-Tourist und die letzten Ausläufer der schneebedeckten Andengipfel auf grüne Wälder und das Meer.

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Es ist Herbst, eigentlich einfach richtiges April-Wetter. Mal weht ein eisig kühler Wind, später scheint die Sonne, dann regnet es kurz. Wir stellen uns auf einen Parkplatz zwischen Zentrum und Hafen und schlendern zwei Tage durch die Stadt und geniessen im rustikalen Bistro Ramos Generales feines Süssgebäck und Kaffee mit Schuss. Zum Znacht gibt es über viele Grenzen mitgeschmuggeltes Fondue.

Trotz regnerischem Wetter beschliessen wir in den Nationalpark Tierra del Fuego zu fahren. Hier wandern wir über weichen Moorboden durch herbstlich verfärbte und vom Winde gekrümmte Südbuchenwälder. An der Bahia Laptaia endet die Ruta 3. Abends setzen wir uns ans Lagerfeuer, bis wir wie zwei grillierte Cervelats riechen. Die letzte Dusche ist eine Woche her. Thomas befüllt unseren fast leeren Tank mit Bergseewasser und bald darauf dürfen wir dank Gas-Boiler eine heisse Dusche geniessen. Herrlich!

Unsere Reise durch Argentinien hat uns vom Tropenwald durch eine atemberaubende Natur bis hin in den kalten Süden geführt. Wir genossen viele spannende Tierbegegnungen an der Küste des südlichen Atlantiks. Als wir Ushuaia verlassen, fragt uns ein Polizist nach unserem Reiseziel. Thomas schaut mich fragend an. Nach Norden antworten wir schliesslich und fahren mit dem Gefühl unendlicher Freiheit los.

4 Gedanken zu „Von Puerto Iguazú ans Ende der Welt nach Ushuaia

  1. Ihr Lieben Euer Beitrag ist ganz fantastisch. Wir haben uns sehr gefreut darüber und danken herzlich. Ich versuchte euch ein Whatsapp zu schreiben, habe jedoch festgestellt, dass es wahrscheinlich euch noch nicht erreicht hat. Wir sind in den Startllöchern um für einige Tage ins Südtirol zu fahren. Dabei werden wir an euch denken. Zu gerne wären wir mit euch. Bald werden wir mehr berichten. In Gedanken sind wir bei euch und senden euch die liebsten Grüsse und Wünsche. Auch wir haben euch fest lieb. Viele Kussi. Eure Igiser Date: Mon, 11 Apr 2016 00:19:38 +0000 To: arbinz@hotmail.ch

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  2. Hoi lieve familie,

    Ik probeer ook een berichtje te plaatsen want de vorige keer lukte het niet.
    Wat een leuke blog met super verhalen en wat een prachtige foto’s. Geweldige omgeving en mooie dingen die jullie zien en mee maken. Fantastisch. Heerlijk zo vrij reizen hè.. Ik krijg dan ook een beetje mijn eigen reis ervaringen terug.
    Julilie zien er heerlijk ontspannen uit. Geniet lekker samen en nog heel veel mooie prachtige plekken en ervaringen samen.

    Dikke knuffel Madelon

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  3. Wat super geweldig om dit mooie verslag te lezen en te zien en wat zien jullie fantastische mooie dingen ,niet te geloven ….geniet maar lekker samen van deze vrijheid dikke kus van ons..Harm en Lianne.

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  4. Hi meine Weltenbummler!
    Wow, das ist echt eindrucksvoll was ihr zwei da erleben dürft! Der Reisebericht ist sehr anschaulich und man kann sich richtig gut hineinversetzen… Wobei dann auch wieder ein bisschen Neid aufkommt… 😛 Trotzdem lese Ich die Beiträge natürlich immer super gerne & freue mich schon auf den nächsten!

    Patagonien sieht super schön & irgendwie genau wie in meiner Vorstellung aus. Das muss man ja echt gesehen haben…. Hhmm, trotzdem 3 Wochen Patagonien im Herbst anstatt Kolumbien? 😉

    Liebe Grüsse an Euch zwei aus der devinitiv nicht wärmeren Schweiz,
    Beat

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