Chiles Norden – von Valparaíso bis San Pedro de Atacama

Nach dem tollen Städtetrip in Viña del Mar und Valparaíso machen wir uns in einsamere Gebiete auf, in den kargen Norden Chiles. Obschon sich die Pazifikküste zu dieser Jahreszeit gerne im Nebel hüllt, geniessen wir die Fahrt auf der geschlängelten Küstenstrasse, den frischen Wind und die Wellen, die sich an den Felsen zerschlagen. Sergio, ein Immobilienmakler aus Santiago, der im Küstenort Amarilla eine Wochenend-Residenz hat, sucht das Gespräch mit uns. Er möchte auch einen Camper, um mit seinen Enkeln zu reisen. Zum Abschied gibt er uns seine Visitenkarte. Falls wir in Chile irgendein Problem haben sollten, dürften wir ihn anrufen. Genau solche Begegnungen und die generell sehr grosse Hilfsbereitschaft der Menschen, die wir hier tagtäglich erleben, tragen dazu bei, dass wir uns in Südamerika noch nie unsicher oder unwohl gefühlt haben. Sollte uns mal was zustossen, so sind wir uns sicher, dass wir hier nicht alleine sind. In Conón geniessen wir einmal mehr ein herzhaftes chilenisches Mittagsmenu. Für knapp sechs Franken werden wir mit einem Drei-Gänger verwöhnt. Nach einer Käse-Empanada und Cheviche (roher Fisch-Salat) wird eine Schale Paila Marina (Muschel-Suppe) und zum Hauptgang der bekannte Merluza-Fisch mit Reis und Kartoffelstock aufgetischt.

In Cachagua soll es auf einem nahe am Ufer gelegenen Felsen eine Kolonie mit Seelöwen und Humboldt-Pinguine geben. Wegen des starken Nebels und weil sich die Tiere zu dieser Jahreszeit vermutlich im Wasser rumtreiben, sehen wir nicht sonderlich viel. Dazu kommt der Wind, eine hohe Welle und Flutsch erwischt es mich kalt. Mit nasser Hose geht es zurück zum Parkplatz. So ein Luxus, haben wir ja den Kleiderkasten immer gleich mit dabei.

Wir gelangen zurück auf die Panamericana Ruta 5. Die Landschaft wird karger, die Bäume und Gebüsche niedriger. Ein paar hundert Kilometer weiter nördlich verlassen wir die Hauptstrasse dann auch schon wieder in Richtung Inland. Der Küstennebel verschwindet und der Himmel lichtet sich. Kleine Kakteen tauchen auf und bald sind die Hügel entlang der Landstrasse mit stachligem Grün verziert.

Das Barometer steigt, umso weiter wir ins Inland gelangen. Als wir im friedlichen Dorf Combarbalá ankommen, ist es herrlich warm. Auf dem grünen Hauptplatz erklingt lateinamerikanische Musik aus dem Radio. Gerne würden wir in Chiles Norden, wo der Himmel so nah scheint, ein Observatorium besuchen. Doch die Sterne stehen schlecht: vor zwei Tagen war Vollmond und am Himmel zieren sich ein paar Schleierwolken. Ein Versuch ist es dennoch Wert. Beim Büro des Observatorio Cruz del Sur freut man sich über unseren Besuch. Wir sollen gegen Sieben nochmals vorbei kommen, dann wird entschieden, ob eine Führung möglich ist. Ein paar Kilometer ausserhalb des Ortes finden wir ein schönes Plätzchen an einem kleinen Stausee, wo wir den Nachmittag in der Wärme und in der stillen Natur geniessen.

Gegen Abend verdichten sich die Wolken und es wird definitiv. Heute findet keine Führung statt, auch für morgen sind die Prognosen nicht besser. Enttäuscht, aber irgendwie auch froh, bald ins Nest hüpfen zu können, fahren wir zurück zu unserem Stellplatz.

006 am Lago Embalse Cogoti

Über die Kakteenhügel gelangen wir zurück an die Pazifikküste, nach La Serena. Eine Stadt, die mit ihren Häusern im Kolonialstil und den gemütlichen Einkaufsgassen einen besonderen Charme ausstrahlt. Wir verbringen den Rest des Tages in dieser Stadt, die uns auf Anhieb gefällt. Auf dem zentralen Markt, dem Mercado La Recova, wird wieder Allerlei angeboten. Geduldig erklären uns die Verkäufer ihren selbstgemachten Schmuck und weiteres Kunsthandwerk. Da wir nicht in den Ferien sondern auf Reisen sind, kaufen wir kaum Souvenirs. Heute lächelt mich aber ein hübscher, kleiner Schlüsselanhänger mit einem Naturstein und einer Musik-Note an. Die Musik ist in Südamerika allgegenwärtig und auch auf unserer Reise ein treuer und wichtiger Begleiter.

Im Museo Arquealógico gibt es nebst archäologischen Funden, eine 2,5 Meter hohe Moai-Statue von der Osterinsel sowie Alltagsgegenstände und Kunstarbeiten der Ureinwohner zu bestaunen. Das kleine Boot aus Seelöwenhaut, mit welchem die Diaguita auf Walfang hinaus auf die hohe See paddelten, beeindruckt uns besonders fest. Als wir das Museum verlassen, entschuldigt sich der Eingangspförtner bei uns. Wegen Umbauarbeiten seien nicht alle Räume geöffnet. Freundlich erklärt er uns, wo wir noch ein anderes, ebenfalls kostenloses Museum in der Stadt fänden. Chilenische Touristenfreundlichkeit, einfach umwerfend!

La Serena wird auch als Oase bezeichnet, denn ab hier fängt die Atacama Wüste an. Wir machen noch einen Abstecher ostwärts, ins Tal Valle del Elqui. Hier im trockenen Klima gedeihen die Reben des hochprozentigen Nationalgetränks, des Pisco’s. Die Landstrasse führt uns in die abgelegenen Dörfer und weit in die Höhe. Im Dörfchen Horcón tauchen wir in die friedvolle Atmosphäre des idyllischen Kunsthandwerksmarktes ein.

Auf dem Weg zurück wollen wir den berühmten Pisco probieren. In der Nähe des Dorfes Pisco Elqui befindet sich die Pisqueria Los Nichos. Die meisten Besucher sprechen Spanisch oder haben eine Dolmetscherin dabei. Wir spitzen unsere Ohren und versuchen so gut es geht, den Erzählungen in rasantem Tempo zu folgen. Auch wenn wir nicht alles verstehen, erleben wir einen Mann, der unsere Gruppe humorvoll und enthusiastisch durch das Kleinunternehmen führt. Wir lernen Los Nichos als einen authentischen Familienbetrieb kennen, der seine Traditionen lebt und pflegt. Seit der Gründung 1868 wird hier von Hand und mit den alten Maschinen purer Pisco gebrannt. Ein Geheimrezept und ein Verkaufsschlager. Nach der Degustation dreierlei Piscos entkommt kaum ein Besucher ohne Mitbringsel. Auch wir können nicht widerstehen.

Am späteren Nachmittag kommen wir in den Genuss eines leckeren Copao (Kaktus-Frucht) und Guayaba-Naranja (Guave-Orange) Saftes. Wer das erste Mal Copao trinkt, hat einen Wunsch zugute. Geht dieser Wunsch in Erfüllung, so kehrt man an den Ort zurück, wo der Saft getrunken wurde – erklärt uns der freundliche Herr am Stand schmunzelnd. Ob wir also nochmals in dieses Tal zurückkehren werden? Wer weiss…

Wir lassen den Tag auf einem der Hügel oberhalb des Oasendorfs Vicuña ausklingen.092 oberhalb VicuñaDie Ruta 5 führt uns durch die steinige Wüste. Vorbei an den erzreichen Hügeln, deren braun-rote Oberfläche von den Kupfer-Minen wie Narben durchzogen sind. Die Nacht verbringen wir an einem Truck-Stopp im Nirgendwo. An diesem Abend tobt und feiert Chile den Fussball-Meistertitel der Copa América. Davon bekommen wir in der Abgeschiedenheit der Atacama Wüste nichts mit.

Ein Öl-Leck an einem Radlager lässt uns eine Mercedes-Garage aufsuchen. In der nächsten Stadt, in Copiapó, werden wir fündig. Es ist Montag, doch die Garage ist geschlossen. Von der netten Dame im Bewachungshäuschen erfahren wir, dass heute ein Feiertag ist. Wir dürfen aber auf dem Platz nebenan stehen und übernachten. Wir nutzen die Gelegenheit, um die Bergbaustadt zu erkunden. Die meisten Geschäfte sind geschlossen und die Strassen nahezu menschenleer. Es wird ein sonniger Tag, den wir im Schatten der uralten Pfefferbäume auf der Plaza und dem Privat-Camping nebst der Garage verbringen.

Um halb Neun anderntags beginnt der Geschäftsbetrieb und Rudolph darf zur Reparatur. Derweil erkundigen wir uns beim Touristenbüro wegen der Andenüberquerung. Von Copiapó ostwärts könnte man über den landschaftlich wunderschönen Paso San Francisco nach Argentinien reisen. Wir erfahren, dass der Pass wegen Schnee und Wind aber momentan geschlossen ist und beschliessen einen Pass weiter nördlich zu nehmen. Bei der Garage verläuft alles einwandfrei und wir dürfen Rudolph abends wieder in Empfang nehmen.004 MB Garage CopiapóEine sandige Strasse führt uns weiter durch die trockenste Gegend der Welt. Tatsächlich ist es heiss und trocken, jetzt im Winter aber ganz angenehm.051Wir nehmen den Abzweiger zur Mina San José. 121 Jahre wurde in dieser Mine Gold und Kupfer gewonnen, bis es am Nachmittag des 5. August 2010 zum Einsturz kam, der 33 Minenarbeiter rund 700 Meter unter der Erde begrub. An der Rettungsaktion der „Los 33“ waren internationale Tiefbohr-Teams und die NASA beteiligt. Rund eine Milliarde Menschen verfolgten das „Life-Finale“ am 13. Oktober 2010, als der letzte der Männer wohlauf das Tageslicht erblickte. Offizielle Führungen finden donnerstags bis sonntags statt. Heute ist Mittwoch. Wir dürfen dennoch rein und die Anlage auf eigene Faust erkunden. Aus dem Minenschacht kommt kühle Luft. Wir stellen uns vor, wie die Angehörigen an diesem Ort so viele Tage warteten, bangten, beteten und hofften. Heute erzählen die Maria-Statue und verblasste Fotos mit chilenischen Fähnchen von der Geschichte. Zudem steht die Kapsel, Cápsula Fénix, mit der die Männer gerettet wurden, noch auf dem Platz.

Im Küstenort Bahía Inglesa spazieren wir entlang des weissen Strandes und bewundern das klare, türkisfarbene Wasser. Im Sommer geht es in diesem beliebten Badeort vermutlich hektisch zu und her. Heute haben wir den Strand fast für uns alleine.

Als wir später am Playa las Pocitas ein hübsches Fleckchen an der Felsküste finden, hüpft Thomas freudig aus dem Auto. Das Kind ist erweckt und er inmitten der grossen Muscheln und unzähligen Seeigeln im Paradies angekommen. Wir beobachten die vielen Vögel und geniessen das Meeresrauschen, den Sonnenuntergang, ja einfach jeden Augenblick.

Wir fahren in das Dorf Chañaral. Letztes Jahr wurden in der Gegend zahlreiche Strassen wegen starken Regens davon gespült. Beim Touri-Info sagt man uns, dass die Strasse durch den Parque Nacional Pan de Azúcar durchgehend befahrbar sei. Der Küste entlang tuckern wir in diesen tollen Park. Immer wieder halten wir an, um die Kakteen, das Meer, die Pelikane und Geier zu bewundern. Dann kommt eine Strassensperre. Der Weg, der noch einige Kilometer bis zum Nordeingang führen würde, gibt es wegen den Überschwemmungen doch nicht mehr. Also rechtsumkehrt zurück nach Chañaral. Auf dem Rückweg gibt es noch ein Picknick am Meer. Nebst uns parkiert ein junges Paar aus Australien mit einem gemieteten Minivan. Noch wissen wir nicht, dass wir den Beiden in den nächsten Tagen immer wieder per Zufall begegnen werden.

Der grosse Norden Chiles beginnt. Eine gradlinige Asphaltstrasse bis zum Horizont, die schier unendliche Wüstenlandschaft, der blaue Himmel und keine Menschenseele. Die nächsten Kilometer sind ein himmlisches Erlebnis, eine Orgie für die Sinne und das Gefühl unendlicher Freiheit und Weite pur!

Die Kolonialbauten im Hafenstädtchen Taltal stammen aus goldigen Zeiten, lassen aber noch heute ein Wild-West-Feeling aufkommen. Wie auch andere Hafenstädte Nordchiles entstand der Ort infolge der Entdeckung von Erz- und Kupfer-Vorkommen. Taltal wurde 1859 gegründet. Im Museum knarrt der alte Holzboden des ehemaligen Hafenamtes unter unseren Füssen. Heute fährt hier keine Eisenbahn mehr und die Menschen leben von kleineren Kupferminen und der Fischerei.

Rund 100 Kilometer weiter nördlich thront auf einem Berg das Paranal-Observatorium. Mit jährlich mehr als 300 Sonnentagen und einer trockenen und ruhigen Luft herrschen hier perfekte Bedingungen zur astronomischen Beobachtung des Südsternhimmels. Wir schlängeln uns hoch auf den Cerro Paranal, wo wir die Nacht vor dem Basislager verbringen dürfen. Unterwegs sind wir ihnen noch zwei weitere Male begegnet und nun stehen sie auch hier auf dem Parkplatz: Freya und Andrew aus Australien. Auf einer Anhöhe bestaunen wir den Sonnenuntergang über dem Wolkenmeer und geniessen einen geselligen Abend.

Jeden Samstag findet eine drei-stündige, kostenlose Führung durch das von der Europäischen Südsternwarte (ESO) betriebene Observatorium statt. Anfang der 90er Jahre wurde der Gipfel des Cerro Paranal von 2660 auf 2635 Meter abgetragen. Nach einem Film der ESO dürfen wir hochfahren, auf das Plateau, wo die Riesen-Teleskope stehen. Wir sind beeindruckt! Das Very Large Telescope (VLT) ist das weltgrösste und höchstentwickelte Teleskop. Es besteht aus vier Einzelteleskopen, dessen immense Spiegel (mit je 8,2 Meter Durchmesser) zu einem Super-Auge zusammengeschaltet werden können. Die vier Hauptteleskope tragen die Namen Antu, Kueyen, Melipal und Yepun, was in der Sprache der Mapuche Sonne, Mond, das Sternbild Kreuz des Südens und die Venus als Abendstern bedeutet. Zudem gibt es noch kleinere, mobile Hilfsteleskope. Das Kontrollzentrum, wo nachts gearbeitet wird, befindet sich unterhalb des Gipfelbereichs. Wir werden durch die Büros geführt und sind erstaunt, dass wir überall Fotos machen dürfen. Zuletzt geht es ins Hotel La Residencia, wo Szenen für den Bond-Film ‚Ein Quantum Trost‘ gedreht wurden.

Bei der weiter nördlich gelegenen Stadt Antofagasta biegen wir nach Osten ins Landesinnere ab. Auf der Strassenkarte ist eine Sehenswürdigkeit eingezeichnet: das Museo del Ferrocarril (Eisenbahnmuseum). Wir nehmen die Ausfahrt nach Baquedano. Das Navi gibt an, dass wir angekommen sind. Weit und breit kein Mensch, keine Tafel, nichts was auf ein Museum schliessen lässt. Nur eine alte Fabrikhalle. Wir gehen durchs Tor und schnell unter den knarrenden Dächern, die alles andere als stabil wirken, durch. Auf dem Innenhof stehen sie dann – die alten Eisenbahnwagen, die einst von Chile nach Bolivien fuhren. Spätestens jetzt kommt Wild-West-Romantik auf.

Wir fahren noch einige Kilometer durch die Wüste, bis wir abends in Calama ankommen. Eine Stadt, die nicht touristisch ist, sondern von der gewaltigen Kupfermine lebt. Im nahen Chuquicamata befindet sich die grösste Tagebaumine der Welt. Heute Sonntag findet keine Führung zur gigantischen Grube statt. Doch rein schon die Schaufeln der Bagger beeindrucken uns.

Von Calama wären es nur noch 100 Kilometer Asphaltstrasse bis nach San Pedro de Atacama. Wir entscheiden uns für die Schotterpiste, welche durchs Hinterland und über die Berge führt. Bevor wir noch mehr in die Höhe steigen, decken wir uns am Sonntagsmarkt in Calama mit Mate de Coca (Coca-Tee) ein. Die Hojas de Coca (Coca-Blätter) bewirken eine verbesserte Sauerstoffaufnahme und sind damit ein gutes Mittel gegen die Höhenkrankheit. Wir kommen ins malerische Oasendorf Chiu Chiu. Die Iglesa de San Francisco de Chiu Chiu, die älteste Kirche Chiles, besteht aus heimischen Materialien, aus einer dicken Adobe-Mauer und aus Cardón (Kaktusholz). Die Decke ist mit Lederriemen anstelle von Nägeln fixiert.

Es ist eine abenteuerliche Fahrt. Wir sind begeistert von der stimmungsvollen Ruta del Desierto! Bei den Baños de Turi verbringen wir die Nacht in der Einsamkeit mit Traumsicht auf die Anden und Vulkane.

 

Anderntags ist es windig und kalt. Dennoch: die Gegend ist einfach wunderschön. Im Oasendorf Caspana wohnen die Menschen in einfachsten Lehmhäusern. Entlang der Strassen weiden Schafe und Vicuñas.

Lass uns versuchen, zu den El Tatio Geysiren auf knapp 4500 Meter zu gelangen. Beim Polizeiposten unterwegs klopfen wir an und erkundigen uns nach dem Zustand der Strasse. Der Weg sei passierbar. Als wir aber oben ankommen, ist die Sicht schlecht und keiner von uns hat Lust in die bissige Kälte auszusteigen. Wir fahren also weiter. Im Tal, auf 2500 Meter, liegt das Wüstendorf San Pedro de Atacma. Wir stellen uns auf den grossen Parkplatz im Dorf. Bei Sonnenuntergang schaffen es doch noch einige Sonnenstrahlen durch die Wolken. Der Kegel des fast 6000 Meter hohen Vulkans Licancábur, der höchste aktive Vulkan Südamerikas, hüllt sich in ein kitschiges Rosa-Orange.

San Pedro ist ein Touristenmagnet. So scheint es auch jetzt, in der Nebensaison, dass die Touristen gegenüber den knapp 5000 Einwohnern in der Überzahl sind. Spektakuläre Landschaften, eine grandiose Stimmung und das Abenteuer machen den Ort so unglaublich toll. Wir sind froh, nicht in der Hochsaison hier zu sein. Heute geht es auf dem Dorfplatz und in den sandigen Gassen ruhig und gemütlich zu und her. Zahlreiche Agenturen bieten Tagesausflüge zu den vielen Sehenswürdigkeiten in der Gegend an. Wie schön, dass wir unser eigener Tourguide sind. Heute wollen wir zu den Flamingos. Wir fahren zum grössten Salzsees Chiles, dem Salar de Atacama. Inmitten der Steinwüste erstreckt sich dieses riesige Feld aus einer harten und rauen Schicht Salz. Darauf befindet sich die Lagune Chaxa, wo sich die Vögel tummeln. Ein zauberhafter Ort!

Inmitten der trockenen Wüstenlandschaft verwandelt der Río Tocanao die Schlucht Quebrada de Jerez in eine fruchtbare Oase. Nebst Steinmalereien und Höhlen, wo einst Lebensmittel kühl gelagert wurden, ist es ein ruhiger Ort, um zu entspannen.

Wir nehmen nochmals einen Anlauf und fahren die knapp 90 Kilometer und 2000 Höhenmeter von San Pedro zu den Geysiren El Tatio. Diesmal erwischen wir einen anderen Weg. Der sandige Pfad führt uns durch die atemberaubende Landschaft und das goldgelbene Andengras glänzt in der Sonne. Die Sechstausender um uns, erscheinen auf dieser Höhe gar nicht mehr so hoch.

Oben angekommen, erwartet uns eine schöne Überraschung: Freya und Andrew sind auch hier. Wir sind die einzigen Besucher, die nicht morgens früh mit dem Touribus hierher kommen. Nach einem gemeinsamen Nachtessen, gibt es eine Bettflasche für alle. Auf über 4000 Meter Höhe sind die Nächte eiskalt. Besonders eine so sternenklare Nacht wie heute. Die Temperatur liegt am nächsten Morgen bei Minus 15 Grad. Im Auto haben wir immerhin „nur“ Minus 5. Das Wasser in der Flasche neben meinem Kopfkissen ist gefroren. Heizen ist nicht möglich, da das Heizsystem das Wasser im Boiler nachts um Drei abgelassen hat. Immerhin das Gas funktioniert noch und so kochen wir uns eine Flasche Mate de Coca und packen den Rucksack mit Frühstück und Badetuch. Bei diesen Temperaturen versulzt auch der Diesel. Das Fahrzeug von Freya und Andrews ist zum Glück ein Benziner. Zu viert fahren wir fröstelnd um Sechs aufs Feld hinaus. Am Fuss des Vulkankraters El Tatio befindet sich eines der höchsten Geothermalgebiete der Welt. Geheimnisvoll sprudelt, zischt und dampft es aus den Geysiren, den heissen Spring-Quellen. Als die Sonne hinter den Felsen empor blickt, erleuchten die Strahlen den aufsteigenden Dampf. Wir können es kaum erwarten, ins warme Thermalwasser zu hüpfen. Das Bad hat aber seine Tücken. Das Wasser im Naturbecken ist kalt und dort, wo frisches Quellwasser reinfliesst, kocht es fast. Also furchtbar heiss oder kalt. Während Freya und ich uns damit begnügen, unsere Füsse und Hände zu erwärmen, zeigen sich die Jungs hartgesotten.

Als alle Touristen vom Platz fahren, stehen nebst der Familie, die hier wohnt, nur noch wir da. Wartend, mit der offenen Motorhaube in Richtung Sonne. Ein kleiner Andenfuchs leistet uns Gesellschaft. Um zwei Uhr sei es am wärmsten, dann fällt die Temperatur wieder, erklärt uns ein Mann, der uns helfen will, den Motor zu starten. Mithilfe des Silikon-Sprays funktioniert es schliesslich und wir kommen gegen Mittag zurück auf den Parkplatz in San Pedro. Durchgefroren und übermüdet geht es in einen Siesta-Schlaf. Währenddessen tauen auch die Wasserleitungen wieder auf.

 

Als wir nachts erwachen, trauen wir unseren Ohren nicht. Regen in der trockensten Wüste der Welt? Tatsächlich, starker Regen! Ein seltenes Phänomen. In Iquique an der Küste hat es zudem schwere Sturmböen gegeben. Der Paso de Jama, über den wir nach Argentinien und dann weiter nach Paraguay wollen, ist wegen Schnee geschlossen. Doch dies hat auch seine schöne Seite. Wir geniessen noch ein letztes chilenisches Mittagsmenu, besuchen das Meteoritenmuseum und der Parkplatz in San Pedro füllt sich immer mehr mit anderen Campern. Wir lernen Nati und Willy aus Buenos Aires, eine Neuseeländische Familie mit ihren vier Kindern, ein Paar aus Quebec, ein Österreicher und eine Familie aus Brasilien kennen.

Und dann ist es soweit, nach drei Tagen ist der Pass wieder geöffnet und uns steht die erste grosse Andenpassüberquerung bevor!

Ein Gedanke zu „Chiles Norden – von Valparaíso bis San Pedro de Atacama

  1. Hallo Ihr beiden

    Hoffentlich erreichen euch meine Zeilen. Kompliment: Es ist einfach spannend zu lesen, was ihr alles erlebt und seht. Und mir steigen manch schöne Bilder aus dem eigenen Erleben wieder auf. Ich bin eine von denen, die mit dem Touribüssli frühmorgens zu den El Tatio Geysiren gefahren ist. Es war einfach spektakulär.

    Ich bin jetzt schon gespannt auf eure Andenüberquerung. Alles Gute weiterhin und liebe Grüsse Walli

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