Entlang Kolumbiens Karibikküste- von Cabo de la Vela nach Cartagena

Die Enden dieser Welt sind etwas besonderes. Im äussersten Nordosten Kolumbiens ist Cabo de la Vela so ein spezieller Fleck Erde. Es ist wohl die Einfachheit, die diesem rauen, windigen Ort seinen Charme verleiht. Ausser kitesurfen, am Strand spazieren, schwimmen und in der Hängematte faulenzen, gibt es hier absolut nichts zu tun. Doch was wollten wir auch mehr?

Die dürre, heisse Wüste im Grenzgebiet von Kolumbien und Venezuela ist die Heimat des indigenen Volkes der Wayúu. Sie leben in Grossfamilien, in einfachsten Hütten, meist von ein paar Ziegen, Hühnern und dem Fischfang. Da Cabo bis vor ein paar Jahren als unsicher galt, steckt der Tourismus noch in den Kinderschuhen. Doch immer mehr Backpacker finden den Weg hierher. Die Wayúu Frauen und Kinder verkaufen von früh morgens bis abends selbst geknüpfte Armbändeli und aufwändig gehäkelte Umhängetaschen.

Auch in der Hauptstadt des Departments La Guajira, im untouristischen Riohacha, werden die bunten Wayúu-Taschen günstig am Strassenrand verkauft. In den Touri-Hochburgen Kolumbiens und im Ausland gibt es die beliebten Taschen zum zigfach höheren Preis. In Riohacha stehen wir nochmals für ein paar Tage bei einer Kiteschule, diesmal leider ohne Wind-Glück.

Der Karbikküste entlang fahren wir weiter südlich und treffen auf dem Campingplatz Los Angeles unsere Schweizer Reisefreunde Erika und Ernst sowie Laura und Jonas mit dem kleinen Lukas. An diesem paradiesischen Strand müssen wir nur aufpassen, dass uns keine Kokosnuss auf den Kopft fällt…

…und uns kein Kaiman in die Zehe beisst.

An der Uferpromenade von Santa Marta geniessen wir nach einem heissen Autofahrtag die erfrischende Abendbrise. Ein Herr hat sein Fahrrad in einen Grill-Verkaufsstand umgebaut, eine Afroamerikanerin trägt einen riesigen Früchtekorb auf ihrem Kopf, ein paar Argentinier verkaufen selbstgemachten Schmuck und eine holländische Backpackerin läuft mit einer Box selbstgemachter Crêpes umher. Dass dies erlaubt ist, ist etwas, was wir an Südamerika lieben. Irgendwie ist hier vieles noch so wunderbar unkompliziert.

Die nächste Stadt an der Küste heisst Barranquilla. Eine Industriestadt, die für ihren grossen Karneval bekannt und der Heimatort der Popsängerin Shakira ist. Ein paar Kilometer weiter folgt der nächste Kite-Spot. Doch auch in Puerto Velero weht momentan nur ein schwacher Wind.
Die Nacht verbringen wir am Vulkan El Totumo. Früh morgens strecken wir unsere Zehen in grauen Schlamm. Langsam lassen wir uns in den Krater hineingleiten, bis wir von Kopf bis Fuss mit der geschmeidig weichen Masse umgeben sind. Der Kegel des Vulkans ist gerademal 20 Meter hoch. Entsprechend klein ist auch sein Krater, der mit warmem Schlamm gefüllt ist. Ab und zu gluckst es, kleine Eruptionen sind spürbar. Der Schlot unter uns soll 500 Meter hinab ins Erdinnere reichen. Wie Korken stecken wir an dessen Oberfläche und haben Spass wie kleine Kinder. Ein herrliches Bad – nur leider haben wir davon kein Foto mehr.
In La Boquilla, an einem Strand etwas ausserhalb der Hafenstadt Cartagena, stellen wir uns nochmals zu einer Kiteschule. Diesmal weht der Wind – und zwar wie! Das stürmische Wetter bringt hohe Wellen mit sich, die uns anfänglich vom Brett hauen, doch dann richtig Spass machen.

Übers Wochenende machen wir einen Ausflug auf die 20 Kilometer südwestlich von Cartagena gelegene Halbinsel Barú. Beim Strand Bahía Blanca wollen wir uns nochmals mit Laura und Jonas treffen. Zusammen mit vielen anderen einheimischen und ausländischen Wochenendausflüglern geniessen wir den weissen Strand, das klare, türkise Meer und frischen Fisch.

Anderntags besuchen wir den Park Avario Nacional de Colombia.

Die Drei beleiten uns zurück zum Strand von La Boquilla, wo wir nochmals eine gemütliche Zeit zusammen verbringen.

Von Kolumbien nach Panamá gibt es keine durchgehend für Autos passierbare Strasse. Zudem wäre ein Transit wegen im Grenzgebiet herrschenden Guerilla-Aktivitäten und Drogenbanden lebensgefährlich. Diese Lücke im Panamericana-Strassennetz von Nord- und Südamerika wird Tapón del Darién, Darien-Stöpsel, genannt. So bleibt nur der Wasserweg und da es keine Fähre gibt, wird Rudolph, wie bereits von Hamburg nach Montevideo, mit einem Frachter verschifft. Von der Reederei Höegh Autoliners haben wir ein gutes Angebot für eine RoRo-Verschiffung bekommen. Obschon die Überfahrt diesmal keine vier Wochen, sondern blos einen Tag dauert, ist das ganze Prozedere genauso aufwendig. Wir wollen es entspannt angehen. Der Plan steht: morgens erledigen wir in Cartagena den Papierkram und nachmittags wird gekitet.
Der Plan wäre perfekt, wenn da nicht – wie könnte es auch anders sein – etwas dazwischen kommen würde. „Wo hast du mein Handy hingetan?“ fragt mich Thomas, während ich gerade aus dem Tiefschlaf erwache. Ein Blick zu unseren Füssen, dann zu den Fenstern und wir sind beide hellwach. Was für ein Schock! Dummerweise haben wir nicht nur Thomas Handy, sondern auch unseren Laptop mit Harddisk, die Fotokamera und ein Tablet auf dem Bett liegen gehabt. Gehabt – nun ist alles weg… Denn das zweite „dummerweise“ ist, dass wir die Fenster wegen der Hitze offen liessen und es den nächtlichen Einbrechern leicht fallen musste, das Fliegennetz aufzuschneiden und unser elektronisches Hab und Gut rauszuholen. Der Junge, der nachts die Kiteschule bewacht, ist anscheinend nach Mitternacht eingeschlafen… Ach, ach, das ist dumm gelaufen… immerhin, uns ist nichts passiert!

Wir ziehen um, auf einen überwachten Parkplatz und reagieren uns beim Kiten ab.

Nach dem Schock-Karfreitag heizen wir Rudolphs Stube an Ostern richtig ein. Sinkt das Thermometer seit Tagen auch nachts nicht mehr unter 30, so steigt es nun noch gut über 40 Grad. Sauna beim Hasen backen 😉

Cartagena gilt als Perle der Karibik. Uns gefällt die moderne Hafenstadt mit den weissen Hochhäusern. Das Highlight ist natürlich die malerische Altstadt voller grosser Kolonialhäuser mit bunten Fassaden, schönen Balkonen und riesigen Holztüren. Cartagena war zu Zeiten der spanischen Besetzung der wichtigste Hafen. Noch heute hat man das Gefühl, in Andalusien zu sein. Ich stelle mir vor, wie hier Gold und Edelsteine auf Schiffe geladen, wie die Stadt von Piraten angegriffen wurde und wie hier einst der grösste Sklavenmarkt Südamerikas stattfand. Heute zieht Cartagena jede Menge Touristen an. Abends galoppieren Pferde mit Kutschenwagen über die gepflasterten Gassen und es gibt etliche Strassencafés und gemütliche Restaurants.

Dann ist es soweit. Rudolph fährt seinen letzten der gut 40‘000 Kilometer auf südamerikanischem Boden. Zwei Tage bevor das Schiff den Hafen verlässt, müssen wir Rudolph abgeben. Die Drogeninspektion dauert nochmals drei Stunden, dann ist das Prozedere auf kolumbianischer Seite geschafft.

Wir bleiben noch ein paar Tage in Cartagena und beziehen am Kitestand ein Hotelzimmer. Während wir faul auf dem Bett liegen, die Klimaanlage surrt und wir seit Monaten wieder einmal fernsehen, klopf es an die Tür. Welch schöne Überraschung, unsere deutschen Freunde Anja und Tobi sind da! Zusammen verbringen wir unsere letzten Tage in Kolumbien…

…besteigen das Castillo San Felipe, die grösste Festung, welche die Spanier in Südamerika errichtet haben…

… und gehen ein letztes Mal in Südamerika beim Argentinier essen.

Dann ist es soweit, nach 15 abenteuerlichen Monaten sagen wir Adiós Sudamerica! In Panamá beginnt ein neues Abenteuer – Etappe zwei unserer Reise, die uns hoffentlich noch bis nach Mexiko führt!

 

Ein Gedanke zu „Entlang Kolumbiens Karibikküste- von Cabo de la Vela nach Cartagena

  1. Spannend und immer noch voll Tatendrang nach so vielen Monaten! Macht weiter so und bleibt neugierig. Es gibt novh viel zu sehen. Geniesst es. Herzlichst, Helen

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