Eine verrückte oder ganz normale Tierwelt – zu Besuch auf Galápagos

Es ist Samstag, der 7. Januar 2017. Erstmals nach fast einem Jahr verlassen wird das südamerikanische Festland. Ein besonderes Highlight erwartet uns. Wir fliegen nach Galápagos!
Ab der ersten Sekunde sind wir fasziniert von dieser einzigartigen Inselwelt und freuen uns wie kleine Kinder auf die nächsten fünf Tage, in denen wir ins Paradies der Tiere eintauchen dürfen.

Galápagos umfasst 13 Hauptinseln, wovon vier bewohnt sind, sechs weitere Inseln sowie mehr als 40 kleinere Eilande. Der Archipel liegt rund 1000 Kilometer vor der Westküste Ecuadors inmitten des Pazifiks. Wir landen auf Baltra, von wo wir mit Fähre und öffentlichem Bus auf die Hauptinsel Santa Cruz gelangen. Auf der Fahrt begegnen uns die ersten zutraulichen Seelöwen und wir entdeckten ein paar Riesenschildkröten. Auf der Südseite von Santa Cruz befindet sich der geografische Mittelpunkt von Galápagos, das touristische Basislager Puerto Ayora. Hier suchen wir eine preiswerte Unterkunft und werden im Hostal Brattle fündig.

Bald wird uns klar, dass wir uns hier in einer ganz speziellen Welt befinden. Am Hafen faulenzen die Seelöwen gediegen im Schatten auf der Parkbank und die Leguane leisten ihnen Gesellschaft… sie alle tummeln sicher herum, als gäbe es uns Menschen nicht. Selbst die Spatzen setzen sich fast auf einen drauf. Befinden wir uns in einem Alternativ-Universum, einer utopischen Welt? Die Furchtlosigkeit der Tiere ist anfänglich befremdend. Das natürliche Gleichgewicht und die Ursprünglichkeit der Natur scheinen hier noch bewahrt zu sein. Was für ein spezieller Ort, an dem sich der Mensch dem Tier anpasst und nicht umgekehrt. Irgendwie eine verrückte – oder eigentlich eine ganz normale? – Welt.
Die Inseln waren nie mit dem Festland verbunden. Über Millionen von Jahren wuchsen sie durch vulkanische Eruptionen aus dem Meeresboden empor, schufen ganz besondere Umweltbedingungen und brachten eine einzigartige, endemische (also nur hier zu findende) Tier- und Pflanzenarten hervor. Schliesslich hat der Mangel an Raubtieren die Tiere furchtlos gemacht.
Schon Charles Darwin erkannte die Einzigartigkeit dieser isolierten Welt. 1835 warf sein Schiff HMS Beagle auf Galápagos Anker. Der damals 26-jährige Darwin verfolgte das Ziel, die biblische Schöpfungstheorie zu beweisen. Doch hier gewann er Erkenntnisse, welche das Welt- und Menschenbild bis heute revolutionierte. Aus den Beobachtungen verschiedener, eng verwandter Finken-Arten und Schildkröten kam er zum Schluss, dass die Arten nicht unveränderlich sind, sondern sich über die Zeit verändern und neu entwickeln. Dies war der Schlüssel zu seiner 20 Jahre später veröffentlichten Evolutionstheorie.

Unser erster Ausflug führt uns zur Tortuga Bay, zur Schildkrötenbucht. Ein paradiesischer Ort mit klarem türkisen Wasser und einem lang gezogenen, feinen weissen Sandstrand. Die Meeresschildkröten kommen abends hierher, um in den Dünen ihre Eier zu legen. Wir machen Bekanntschaft mit Dutzenden Leguanen und Echsen, die sich im Wasser und auf den Lavasteinen tummeln. Das einzigartige Landschaftsbild wird mit Kakteen, Mangroven, schwarzen, roten und gelben Krebsen, ein paar Pelikanen und Reihern wunderbar vervollständigt.

Am späteren Nachmittag spazieren wir über einen Vulkansteinweg durch einen Kakteenwald zurück nach Puerto Ayora. Ein privates Schnellboot, ein sogenanntes „Lancha rápida“, bringt uns am anderen Morgen innert gut zwei Stunden zur nächsten Insel. Wir besuchen Isabela, die mit Abstand grösste Insel des Archipels. Isabela beherbergt fünf aktive Vulkane, wovon der Sierra Negra den zweitgrössten Krater der Welt mit einem Durchmesser von zehn Kilometern besitzt. Auch auf Isabela liegen nicht Menschen sondern Seelöwen auf der Bank, dem Trottoir und dem Steg am Hafen und lassen sich natürlich von uns nicht in ihrer Siesta stören.

Der grösste Ort der Insel heisst Puerto Villamil und ist ein schläfriges 3000-Seelen-Dorf, bestehend aus kleinen Wohnhäusern und einer wachsenden Anzahl an einfachen Restaurants und Hotels. Im Hostal Brisas del Mar finden wir zwei hübsche Zimmer.

Hallo liebe Schildkröte! Zwischen den Fischerbooten entdecken wir die erste Meeresschildkröte, die gerade das Köpfchen aus dem Wasser streckt, um Luft zu schnappen.

Puerto Villamil liegt direkt an einem kilometerlangen, himmlischen Strand. Touristen gibt es wenige, dafür umso mehr Spuren der Meeresechsen im Sand. Wir machen einen Strandspaziergang, .-am Leuchtturm vorbei bis zur idyllischen Bucht La Playita, dem romantischen Playa del Amor und zum Eingang einer Lavahöhle. Auch hier wimmelt es von prähistorischen Muskelprotzen.

Ein Exkursions-Boot steuert mit uns an Bord die Puerto Villamil vorgelagerte Insel Islote las Tintoreras an. Über einen Pfad spazieren wir übers Lavagestein und entdecken in der bizarren Landschaft viele Seevögel, Leguane (sogar einen Leguan-Kindergarten), feuerrote Klippenkrabben, einen einsamen Pinguin und eben Tintoreras, Weissspitzenhaie.

Wir montieren Schnorchel und Flossen und schwimmen über die im schmalen Kanal dösenden Haie und an Rochen und Meeresschildkröten vorbei. Was für ein atemberaubendes Erlebnis!

Mit dem Taxi, einem kreativ umgebauten Pickup, geht es zum Besucherzentrum auf Isabela. Hier unterhält die Charles Darwin Forschung eine Brut- und Aufzuchtstation für Riesenschildkröten. Die berühmtesten Reptilien von Galápagos gelten als die ältesten noch lebenden Urtiere. Sie werden bis zu 200 Jahre alt und sind heute streng geschützt. Lange bevor Galápagos 1959 zum Nationalpark erklärt wurde, ging es hier anders zu und her. Die Inseln wurden von Piraten und Wal- und Robbenjägern heimgesucht. Nebst Wasser und Feuerholz bunkerten sie die Schildkröten als lebendigen Fleischvorrat auf ihren Schiffen, da die Tiere sehr lange ohne Nahrung überleben können.

Anderntags unternehmen wir einen weiteren Bootsausflug. Bei tollem Wetter gleiten wir übers klare Wasser, der Küste entlang zu einer Lavalandschaft mit vielen kleinen Tunnels und Kakteen, Los Tuneles genannt.

Jetzt im Januar gibt’s tierischen Nachwuchs. So quietschen auch die kleinen Jungen einer Graureiher-Familie fröhlich aus ihrem Nest.

Von den über 150 verschiedenen Vogelarten auf Galápagos..

..ist der legendäre Blaufusstölpel der Insel-Liebling und auch unser Favorit. Der Star unter den Vögeln hebt während der Balzzeit würdevoll seine leuchtend blauen Füsse an.

Auch heute springen wir wieder über die Bordkante und der erste Hai ist schon in Sicht.

Wir schwimmen in einem Aquarium voller bunter Fische. Nur Riffkorallen findet man auf Galápagos kaum, da die kühlen Wassertemperaturen und ständig wechselnden Strömungen dafür keine guten Bedingungen sind. Mit viel Glück entdecken wir ein scheues Seepferdchen. Doch das absolute Highlight ist das Schnorcheln mit den grünen Meeresschildkröten. Die riesigen Tiere, die bis zu 150 Kilo wiegen, schweben graziös und sanft durchs Wasser. Seite an Seite dürfen wir mit ihnen schnorcheln. Dabei strahlen die Tiere eine unglaubliche Ruhe aus. Ob es daran liegt, dass es sie schon seit über 250 Millionen Jahren gibt?

Das Schnorcheln hat müde gemacht. Wir sind aber nicht die einzigen, die am späten Nachmittag auf dem Boot zurück zur Insel Santa Cruz vor sich hin dösen…

Zurück auf der Hauptinsel quartieren wir uns beim Hotel Español ein. Dann geht es gleich nochmals vor die Tür, wir wollen noch eine Tour für morgen buchen. Schliesslich steht fest, unser letzter Ausflug geht zur 20 Kilometer südöstlich von Santa Cruz gelegenen Insel Santa Fé. Die Tour toppt nochmals alles. An Bord herrscht eine super Stimmung und die Seelöwen auf den Felsen begrüssen uns grunzend.

Der heutige Höhepunkt: im türkisblauen Wasser mit den verspielten Seelöwen schnorcheln!

Schnorcheln macht nicht nur müde sondern auch hungrig. Bei allen Ausflügen gab es eine leckere Verpflegung, doch heute ist sie besonders fein. Zwischen zwei Schnorchelgängen wird uns ein Brötchen mit einer heissen Schokolade serviert. Zum Mittagessen gibt es eine aufwärmende Portion Reis mit frischem Fisch. Dann noch soeben gefangene Muscheln zum Probieren. Auf der Weiterfahrt geniessen wir auf dem Vorderdeck die Sonne und die wunderbare Sicht. Das Leben könnte nicht schöner sein. Derweil fischt die Crew das Essen für morgen. Sie haben Glück und angeln gleich drei grosse Thunfische.

Zum Abschluss baden wir in der idyllischen Bucht Playa Escondida. Adiós Galápagos, danke für die faszinierenden und unvergesslichen Erlebnisse!

Zurück in Guayaquil holen wir Rudolph beim Hotel Livingston ab und düsen erneut an die Küste. Wir wollen nochmals zu Samuel nach Puerto Cayo fahren, wo wir zu Beginn der Rundreise mit Tabea und Marco schon waren. Nochmals gibt’s einen sommerlichen Tag mit hohen Wellen. Dann heisst es, Tschüss zu sagen. Adieu ihr Lieben, kommt gut nach Hause! Danke für die coole Zeit mit euch!!!

 

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